Wenn eine Druckerei online verkaufen will, hat sie drei Richtungen zur Auswahl: ein Web-to-Print-System aus der Druckbranche, ein allgemeines Shopsystem wie Shopware, oder Shopify. Jede Richtung hat ihre eigene Logik, und die Entscheidung hängt weniger vom Preis ab als von der Frage, was der Shop können muss.
Wir betreiben selbst Shops für Druckprodukte, auf Shopify und in Eigenentwicklung. Dieser Vergleich fasst zusammen, was wir dabei gelernt haben.
Was ein Druckshop anders braucht als ein normaler Shop
Ein normaler Onlineshop verkauft Artikel mit festem Preis. Ein Druckshop verkauft Auflagen. Daraus folgen fünf Anforderungen, die kein allgemeines Shopsystem von Haus aus erfüllt:
- Auflagenpreise. 100 Flyer kosten 25 €, 1.000 Flyer 40 €. Der Stückpreis fällt mit der Menge, und die Preisstufen sind je Produkt unterschiedlich.
- Konfiguration. Format, Material, Veredelung, Farbigkeit, Produktionszeit. Jede Option verändert den Preis.
- Datei-Upload und Druckdatenprüfung. Der Kunde liefert die Druckdaten, der Shop muss sie annehmen und prüfen.
- Netto und Brutto. Geschäftskunden rechnen netto, Privatkunden brutto. Beide bestellen im selben Shop.
- Mindestmengen und Mengenschritte. Aufkleber ab 50 Stück, dann in 50er-Schritten. Etiketten je Rolle.
Web-to-Print-Systeme
Anbieter wie Lead-Print, be.print, Obility oder Printshop Creator bauen Shops speziell für Druckereien. Auflagenpreise, Kalkulation, Druckdaten-Upload und Preflight sind eingebaut. Oft gibt es Schnittstellen zur Produktion und zur Kalkulationssoftware.
Was dafür spricht: Alles, was ein Druckshop braucht, ist vorhanden. Die Anbieter kennen die Branche.
Was dagegen spricht: Die Systeme sind geschlossen. Theme, Apps, Zahlungsanbieter und Marketing-Werkzeuge kommen vom Anbieter oder gar nicht. Die Einrichtung kostet in der Regel einen vier- bis fünfstelligen Betrag, dazu kommen laufende Lizenzen. Für kleine Druckereien und Werbetechniker mit 50 Produkten ist das überdimensioniert. Und die Shops sehen oft aus wie Verwaltungssoftware, nicht wie ein moderner Onlineshop.
Shopware
Shopware ist das verbreitetste deutsche Shopsystem im Mittelstand. Es kennt Staffelpreise, Kundengruppen mit Netto- und Bruttoanzeige und Mindestabnahmen von Haus aus. Für Druckereien gibt es Erweiterungen für Konfiguratoren und Web-to-Print.
Was dafür spricht: Staffelpreise und B2B-Logik sind Standard. Du kannst alles anpassen, weil der Code offen ist.
Was dagegen spricht: Du betreibst den Shop selbst oder zahlst eine Agentur dafür. Updates, Hosting, Sicherheit und Plugin-Kompatibilität sind deine Sache. Die Gesamtkosten liegen für einen kleinen Shop schnell bei mehreren hundert Euro im Monat, wenn man Agenturstunden einrechnet. Staffelpreise in Verbindung mit Konfiguratoren sind auch in Shopware ein bekanntes Problemfeld, wie die Foren zeigen.
Shopify
Shopify ist das weltweit größte gehostete Shopsystem. Du zahlst eine monatliche Gebühr ab rund 30 €, Hosting, Sicherheit, Zahlungsabwicklung und Updates sind inklusive. Es gibt Tausende Apps und Themes, und der Shop sieht ohne Agentur gut aus.
Was dafür spricht: Niedrige Einstiegskosten, kein Betriebsaufwand, moderne Oberfläche, schnelle Einrichtung. Für Marketing, Zahlung und Versand gibt es für fast alles eine fertige Lösung.
Was dagegen spricht: Shopify kennt keine Auflagenpreise. Der Preis eines Produkts ist fest, Mengenpreise sind nur als Rabatt möglich. Die Menge wird je Variante gezählt. Netto und Brutto gibt es nur als Einstellung für den ganzen Shop. Mindestmengen und Mengenschritte fehlen. Genau die fünf Punkte, die ein Druckshop braucht, fehlen im Kern. Druckereien behelfen sich mit Mengen-Varianten („100 Stück“, „250 Stück“ als eigene Variante), was bei wenigen Produkten geht und bei vielen unübersichtlich wird. Mehr dazu im Ratgeber Staffelpreise in Shopify einrichten.
Vergleich im Überblick
| Web-to-Print-System | Shopware | Shopify | |
|---|---|---|---|
| Auflagenpreise | eingebaut | Staffelpreise im Standard | nur als Rabatt oder per App |
| Konfigurator | eingebaut | per Plugin | per App |
| Druckdaten-Upload | eingebaut, mit Prüfung | per Plugin | per App, ohne Prüfung |
| Netto/Brutto je Kunde | eingebaut | Kundengruppen im Standard | nur mit Plus (B2B) |
| Mindestmenge, Schritte | eingebaut | im Standard | per App |
| Einrichtung | vier- bis fünfstellig | Agentur oder Eigenleistung | selbst in Tagen |
| Laufende Kosten | Lizenz, oft dreistellig/Monat | Hosting plus Pflege | ab ca. 30 €/Monat plus Apps |
| Betrieb | Anbieter | selbst | Shopify |
| Apps und Erweiterungen | begrenzt | groß, deutsch | sehr groß, meist englisch |
| Geeignet für | Online-Druckereien mit breitem Sortiment | Mittelstand mit IT-Kapazität | kleine Druckereien, Werbetechnik, Sticker, Textil |
Unsere Einschätzung
Für eine Online-Druckerei mit hunderten Produkten und eigener Produktion ist ein Web-to-Print-System der richtige Weg. Der Aufwand lohnt sich, weil der Shop das Geschäft ist.
Für eine kleine Druckerei, einen Werbetechniker, einen Textildrucker oder einen Sticker-Shop ist die Rechnung eine andere. Dort ist der Shop ein Vertriebskanal neben anderen, und die Kosten eines Web-to-Print-Systems stehen in keinem Verhältnis. Shopware ist dann eine Option, wenn jemand im Haus den Shop pflegen kann. Shopify ist die einfachste und günstigste Lösung, scheitert aber heute an den Auflagenpreisen.
Diese Lücke schließen wir. XIOSYS entwickelt eine Shopify-App, die Auflagenpreise, Mengenzählung über Varianten, Netto- und Bruttoanzeige, Mindestmengen und Mengenschritte in jeden Shopify-Shop bringt, in allen Tarifen und ohne Spezialsystem. Wenn du informiert werden willst, sobald sie verfügbar ist, trag dich ein.
Häufige Fragen
Kann man mit Shopify eine Druckerei betreiben?
Ja, für Produkte mit festen Auflagen über Mengen-Varianten. Für frei wählbare Mengen und Konfigurationen braucht es Apps. Für Konfigurator und Upload gibt es fertige Apps, für Auflagenpreise bislang nur Behelfslösungen.
Was kostet ein Web-to-Print-Shop?
Je nach Anbieter und Umfang von einigen hundert Euro im Monat bis zu fünfstelligen Einrichtungskosten. Manche Anbieter haben Einstiegsmodelle mit geringer Grundgebühr und Umsatzbeteiligung.
Ist Shopware für Druckereien besser als Shopify?
Shopware bringt Staffelpreise und Kundengruppen mit, Shopify nicht. Dafür ist Shopify im Betrieb deutlich einfacher und günstiger. Die Antwort hängt davon ab, ob du den Shop selbst pflegen kannst.

